+49 (0) 2501 9250-0 info@dr-theissen-gmbh.de Mo. - Fr. 08:30 - 18:00 Uhr

Kurt Zech im Interview

Unternehmer rechnet ab: “Wir haben in Deutschland ganze Industrien hingerichtet”

Kurt Zech

Patrick Runte Fotografie Kurt Zech

Kurt Zech ist ein Unternehmer alter Schule. Aus dem Zwei-Mann-Betrieb seines Vaters machte er einen Konzern mit einem Umsatz von 2,4 Milliarden Euro und 10.000 Mitarbeitern. Im FOCUS-Interview bezieht er klar Stellung zur Arbeit der Regierung und der Lage in Deutschland.

Der Blick aus den Panoramafenstern im siebten Stock der Bremer Zech Group ist gigantisch. Zu Füßen liegt die Hansestadt, rechts ragt der Fernsehturm in den Abendhimmel, links die Baukräne der wichtigsten Großbaustelle des Familienunternehmens. Am Fenster steht dessen Chef Kurt Zech, einer der einflussreichsten und mächtigsten Bauherren Deutschlands. Innerhalb von 41 Jahren machte der 62-Jährige aus dem 2-Mann-Betrieb seines verstorbenen Vaters Kurt Zech senior einen Global Player. Unter dem Dach der Gruppe befinden sich heute drei Geschäftsfelder: Building, Real Estate und Hotel. Umsatz 2018: 2,4 Milliarden Euro. Mitarbeiter: mehr als 10000.

Kurt Zech tritt einen Schritt vom Fenster zurück und lädt FOCUS ein, zur Baustelle am Europahafenkopf zu fahren, an dem auch die neue Firmenzentrale entsteht. Die Fertigstellung ist für 2021 geplant. Das Gesamtprojekt kostet rund 300 Millionen Euro.

FOCUS: Herr Zech, wie stolz sind Sie auf Ihren Erfolg?

Kurt Zech: Meine Lebensmaxime ist Bescheidenheit. Und die lebe ich.

FOCUS: Sie bauen nicht nur selbst, Sie kaufen auch insolvente Firmen, sanieren und behalten sie. Sind Sie ein Firmenjäger?

Zech: Opportunitätsjäger passt besser. Wir haben sehr viele strauchelnde Firmen aus schwierigen Situationen herausgekauft und bei jedem Kauf darauf geachtet, dass sie gut in die Gruppe passen. Das gelingt uns nicht immer, aber meistens.

FOCUS: Wie viele Firmen haben Sie vor der Pleite gerettet?

Zech: Mehr als 30. Insgesamt gehören über 300 Firmen zur Zech-Gruppe.

FOCUS: Wie oft werden Sie am Tag um Hilfe gebeten?

Zech: Häufig.

FOCUS: Am 1. Oktober 1978 übernahmen Sie die Firma Ihres Vaters. Sie waren 21. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie heute auf den Wirtschaftsstandort Deutschland schauen?

Zech: Wir müssen aufpassen, weltweit nicht den Anschluss zu verlieren. Wenn ich aus dem Ausland zurückkomme, sehe ich am deutlichsten, was man besser machen kann. Die Infrastruktur zum Beispiel. In China ist das 5G-Netz fast flächendeckend Standard. Und weil die Politik an dieser Stelle Einfluss hat, empfehle ich, dass bei der Versteigerung von Lizenzen nicht mehr so viel Wert auf das Geld gelegt wird. Die Regierung soll das Land einfach flächendeckend mit einer optimalen Internet-Verbindung versorgen.

Was wir in Deutschland schon für Industrien hingerichtet haben

FOCUS: Woran hapert es noch?

Zech: An den Technologien. Nehmen wir den Wasserstoff, für den sich gerade Peter Altmaier interessiert. Vergessen darf man dabei jedoch nicht, dass die Bundesregierung darin seit 30 Jahren null Prozent investiert. Dabei haben wir Milliardenüberschüsse in der Kasse. Wieso kann man also nicht fünf oder zehn Milliarden für die Wasserstoffentwicklung in die Hand nehmen? In Verbindung mit den vielen neuen Technologien ist das die Zukunftstechnologie. Die Zech Group arbeitet zum Beispiel gerade an einem Konzept für einen Windpark und ein Elektrolysewerk an der Ostsee, in dem Strom in Wasserstoff umgewandelt und dieser dann transportfähig gemacht wird. Das Projekt kann jedoch nur mit der öffentlichen Hand umgesetzt werden.

FOCUS: Die Wasserstofftechnologie ist auch immer wieder Thema in der Automobilindustrie.

Zech: Richtig. Weil sie noch sauberer ist als die Elektrotechnologie. Das Elektrogeschäft ist ja längst von den Chinesen besetzt, die beispielsweise die Teile, die für die E-Mobilität notwendig sind, herstellen. Die deutsche Automobilindustrie kommt da schon ewig nicht mehr hinterher. Und wegen der Diesel-Affäre gerät die Zulieferbranche mehr und mehr in Schieflage. Im Augenblick erleben wir die Pleite bei Eisemann oder den Stellenabbau bei Bosch. Und das ist erst der Anfang. In den nächsten Jahren wird das schlimmer. Die Politik ist hier aufgefordert, Lösungen zu finden.

FOCUS: Sie regen sich auf!

Zech: Und wie! Was wir in Deutschland schon für Industrien hingerichtet haben! Die Autoindustrie, Siemens. Oder die Magnetschwebebahn. Wir hatten als Erste die Idee. Jetzt baut sie China. Dazu kommen die vielen Diesel-Fahrverbote. Wissen Sie, in wie vielen Ländern wir diese strengen Fahrverbote haben? Ich sage es Ihnen. In einem. In Deutschland. Ein Irrsinn, noch dazu, wenn man bedenkt, dass gerade mal zwei Prozent der weltweiten CO2-Verschmutzung aus Deutschland kommen.

FOCUS: Macht die Politik die Wirtschaft kaputt?

Zech: Wir würden uns von der Politik mehr Unterstützung wünschen. So, wie es etwa in den USA oder Frankreich geschieht. Auf der anderen Seite sind manche Unternehmen aber auch selbst schuld. Ich bin Auto-Fan und der Meinung, dass die Automobilindustrie eine katastrophale Lobby hat und dagegen etwas tun muss. Obwohl sie mit dem Rücken zur Wand steht, genug Strafen und enorm viele Steuern gezahlt hat, wehrt sie sich nicht, weil sie Angst hat.

FOCUS: Wovor denn?

Zech: Ich weiß es nicht. Bei der IAA in Frankfurt wollten 1000 Demonstranten verhindern, dass die Messe zu viele Besucher hat. Warum hat es die Automobilindustrie oder die IG Metall nicht geschafft, noch mehr Menschen in Busse zu packen, vor die Demonstranten zu stellen und sie rufen zu lassen: Hier kommt ihr nicht weiter! Hier stehen 30000 Mann, die um ihren Arbeitsplatz bangen!

Drohende Rezession – die Politik muss gegensteuern

FOCUS: Befindet sich Deutschland in einer Rezession?

Zech: Wir stehen am Anfang. Die Kurve nach unten wird täglich steiler. Deshalb muss die Politik jetzt gegensteuern. Deutschland hat den finanziellen Spielraum dazu. Das ist meine feste Überzeugung. Passiert ist bisher leider zu wenig.

FOCUS: Liegt das an der schwarzen Null, an der die Regierung festhält?

Zech: Selbst wenn wir die schwarze Null halten, sind wir in der Lage zu investieren. Wir haben Überschüsse, die wir investiv einsetzen müssen. Zum Beispiel in das Bahnnetz.

FOCUS: Nach der x-ten Verspätung fahre ich nicht mehr Bahn.

Zech: Geht mir genauso. Aber wir müssen nicht nur bei der Bahn, sondern auch bei der Luftfahrt wachsam sein.

FOCUS: Ihnen gehören über 300 Firmen. Fehlt nur noch eine Airline.

Zech: Da gab es Gedankenspiele. Ich möchte noch mal auf den Wasserstoff zurückkommen. Daimler nimmt gerade wieder diese Brennstofftechnologie auf, und ich bin mir ziemlich sicher, dass sie in den nächsten zwei Jahren Wasserstoffautos in Serie bauen. Nicht zuletzt, weil es jedem Fachmann klar ist, dass wir keine Lampe mehr anmachen, keine Heizung mehr anstellen können, wenn wir die Hälfte aller Autos elektrisch betanken. Das ist unmöglich. Ganz abgesehen von dem Elektroschrott, den wir entsorgen müssen. Darüber hat sich auch noch niemand wirklich Gedanken gemacht.

FOCUS: Bundeskanzlerin Angela Merkel stieg nach Fukushima aus der Atomenergie aus. Ein richtiger Schritt?

Zech: Gefühlt war diese Entscheidung für mich übereilt, also nicht zu Ende durchdiskutiert und durchdacht. Und es war aus meiner Sicht eher eine politische als eine sachliche Entscheidung.

FOCUS: Kommt die Atomkraft zurück?

Zech: Es haben sich gerade einige Länder zusammengetan, um eine kleine Atomzelle für Autos oder Schiffe, die innerhalb von 25 Jahren abbaubar ist, zu entwickeln. Deutschland, das mit Frankreich das Land war, das die Atomenergie groß gemacht hat, ist nicht dabei. Life Changer

Haben Sie finanzielle Schwierigkeiten? Machen Sie sich Sorgen um Ihre Altersvorsorge? Oder finden Sie einfach keinen bezahlbaren Wohnraum? Dann melden Sie sich bei uns unter lifechanger@burda-forward.de und erzählen Sie uns von Ihrem Problem. Wie können wir Sie unterstützen? In unserer neuen Video-Serie “Life Changer” besuchen wir Sie daheim mit einem Kamera-Team und einem renommierten Experten, um Ihnen bei Ihrem Problem zu helfen und Tipps für ein besseres Leben zu geben.

Habe niemanden erlebt, der uns nicht um Merkel beneidet

FOCUS: Kennen Sie Frau Merkel gut?

Zech: Ich kenne sie nur aus größeren Runden und war ganz bewusst noch nie Teilnehmer einer Wirtschaftsdelegation.

FOCUS: Sind Sie CDU-Mitglied?

Zech: Ich bin parteilos.

FOCUS: Wen wählen Sie?

Zech: Verrate ich nicht.

FOCUS: Frau Merkel regiert in der vierten Legislaturperiode. Viele Bürger halten diese Amtsdauer für zu lang.

Zech: Ich bin viel im Ausland unterwegs und habe noch keinen erlebt, der uns nicht um Frau Merkel beneidet hätte. Was ich an ihr schätze: Sie ist klug, integer, uneitel und so etwas von unbestechlich – vor allem im Verhältnis zu den Führungsspitzen in den USA, Großbritannien, der Türkei, Polen oder Ungarn. Manche Dinge, für die sie verantwortlich ist, kann man natürlich kontrovers diskutieren. Wie die Atomkraft eben oder das Thema Flüchtlinge, bei dem nicht die richtige Medienpolitik betrieben wurde, um die Menschen einzubinden. Letztendlich darf man Frau Merkel jedoch nicht unterschätzen. Und Herrn Scholz auch nicht.

FOCUS: Ist Olaf Scholz ein guter Finanzminister?

Zech: Herr Scholz macht einen besseren Job, als man draußen wahrnimmt. Und er ist ein Aktenfresser wie Frau Merkel.

FOCUS: Die Bundeskanzlerin hat keinen adäquaten Nachfolger aufgebaut. War das klug?

Zech: Alle Politiker sind machtbewusst. Und das Machtbewusstsein von Frau Merkel ist extrem ausgeprägt. Ohne dieses Machtbewusstsein wäre sie auch nicht so lange an der Macht geblieben. Da können Sie gern Herrn Merz fragen oder Frau Kramp-Karrenbauer, deren Polit-Karriere durch ihren Einfluss in die von ihr gewünschte Richtung gelenkt wurde.

Deutschland braucht nach Merkel eine professionelle Persönlichkeit

FOCUS: Wie groß sind die Chancen, dass Friedrich Merz Merkel-Nachfolger wird?

Zech: Ich traue ihm das zu, weil er jemand ist, der die Energie und das Know-how besitzt, wirtschaftspolitisch klare Kante zu zeigen. Ob das bei Frau Kramp-Karrenbauer immer so der Fall ist, weiß ich nicht. Aufgrund dieser klaren Kante traue ich Herrn Merz auch eher zu, die sich häufenden Angriffe auf die Polizei, die Rettungskräfte oder die Bürger, die oft einen rechtsradikalen Hintergrund haben, in den Griff zu bekommen. Was Deutschland nach der Merkel-Ära weiter dringend braucht, ist eine Persönlichkeit, die weltweit ein professionelles Auftreten hat. Herr Merz hat international viel gearbeitet und ist Anwalt. Auf internationalem Parkett kann ich ihn mir deshalb besser vorstellen als Frau Kramp-Karrenbauer.

FOCUS: Kennen Sie Herrn Merz persönlich?

Zech: Nein.

FOCUS: Und AKK?

Zech: Ich habe sie einmal erlebt. Das war bei einer Trauerfeier, bei der sie mich mit ihrer Rede tief beeindruckt hat.

FOCUS: CSU-Chef Söder ist ebenfalls immer mal wieder als Kanzlerkandidat im Gespräch.

Zech: Ich glaube nicht, dass es richtig wäre, einen CSU-Politiker zum Bundeskanzler zu machen.

FOCUS: Wäre Armin Laschet besser geeignet?

Zech: Herr Laschet ist ein hervorragender Kommunikator des bevölkerungsreichsten deutschen Bundeslandes und besitzt aus meiner Sicht ein sehr großes Integrationstalent. Aber wir brauchen im Augenblick eben jemanden, der auch mal auf den Tisch haut.

FOCUS: Könnte das dann nicht auch der Schleswig-Holsteiner Daniel Günther sein, der die über 60-Jährigen ins Visier nahm, die seiner Meinung nach ihr Karriereziel nicht erreicht haben?

Zech: Ein unglücklicher Satz.

FOCUS: Winfried Kretschmann aus Baden-Württemberg ist 71.

Zech: Der macht seine Sache sehr gut.

Die meisten Politiker scheuen harte Entscheidungen

FOCUS: Kommen wir zur Thüringen-Wahl. Wie beurteilen Sie den Flirt von CDU-Kandidat Mike Mohring und weiteren 17 CDU-Funktionären mit der Linken?

Zech: Ich kann mir eine Koalition aus Die Linke und der CDU kaum vorstellen. Aber ich halte viel von Bodo Ramelow. Wir bauen gerade ein Hotel und ein Bürohaus in der Erfurter City, und ich traf mich zum Essen mit ihm und muss sagen: Herr Ramelow hat mich zu 100 Prozent überzeugt. Er kennt sein Land wie seine Westentasche und handelt mit Detailwissen und Kompetenz.

FOCUS: Die CDU-Funktionäre können sich auch Gespräche mit der „demokratisch gewählten AfD“ vorstellen.

Zech: Dass die AfD so erfolgreich wurde, daran sind die etablierten Parteien schuld. In Thüringen haben sie einen hohen Prozentsatz der Bevölkerung nicht abgeholt und Protestwahlen Raum geboten. Warum? Das ist mit einem gesunden Menschenverstand nicht zu verstehen. Hier müssen die etablierten Parteien nachsteuern, sonst wird das Problem noch gravierender, auch im Westen.

FOCUS: Interessieren sich Politiker überhaupt noch für den Wähler oder nur noch für sich selbst?

Zech: Manchmal habe ich das Gefühl, die Politiker tun nicht mehr das, was für ihr Land gut ist, sondern schielen zu oft auf den einzelnen Wähler, um dann einen Minikompromiss zu finden, der sinnlos ist, weil er nichts bewegt. Das heißt, die meisten Politiker scheuen harte Entscheidungen, weil sie Wählerstimmen kosten.

FOCUS: Befürworten Sie die Reichensteuer?

Zech: Reichensteuer, Soli, Vermögensteuer: Ich halte von alldem nichts. Wir zahlen Steuern auf unser Einkommen. Wir zahlen Steuern auf unseren Gewinn. Wir zahlen Umsatzsteuer. Das sind jedes Jahr Hunderte von Millionen. Dafür noch einmal mit einer Zusatzsteuer bestraft zu werden erschließt sich mir nicht. Ich bin dafür, dieses Geld im Unternehmen zu belassen. Damit sichert man nicht nur Arbeitsplätze, sondern finanziert auch Innovationen, Entwicklung oder Forschung. Darüber sollte sich die Regierung im Klaren sein.

GroKo lässt Autobauer im Regen stehen

FOCUS: 2018 machte die Zech Group 2,4 Milliarden Euro Umsatz. Wie hoch liegt die Eigenkapitalquote?

Zech: Bei etwas über 40 Prozent.

FOCUS: Verraten Sie den Gewinn?

Zech: Wir sind zufrieden. Aber es gehört zum Altunternehmertum, dass man über den Gewinn, der bei uns im Unternehmen bleibt, nicht spricht.

FOCUS: Die Zech Group steht also auf sicheren Beinen?

Zech: Davon gehe ich aus. Wir haben immer darauf geachtet, dass wir relativ viel Eigenkapital im Unternehmen haben und es auch noch weiter ausbauen werden. Eine Krise könnten wir somit sehr gut überstehen. Wobei Krisen in unserer Branche nicht in Sicht sind. In unserem Baubereich haben wir Aufträge bis 2023 sicher, sodass wir drei bis fünf Jahre Vorlauf organisieren können. In diesem Punkt sind wir nicht so angreifbar wie beispielsweise die Automobilindustrie.

FOCUS: Die Schifffahrt ist ebenfalls eine krisengebeutelte Branche. Sie gründeten 2013 die Zeaborn GmbH & Co. KG, die 2017 und 2018 die insolvente Hamburger Reederei Rickmers vor dem Untergang rettete.

Zech: Bei Zeaborn bin ich mit privatem Geld drin, halte 90 Prozent der Anteile. Aber natürlich ist die Schifffahrt ein sehr fragiles Geschäft, dem die Strafzölle von Herrn Trump gar nicht guttun. Was da noch alles auf uns zukommt – darüber will ich gar nicht nachdenken. Auch hier wünsche ich mir, dass die europäische, aber ganz besonders die deutsche Politik die Wirtschaft viel mehr unterstützt. Da sehe ich bei der Bundesregierung noch großes Potenzial. Wenn ich mir in dem Zusammenhang allerdings anschaue, wie die GroKo die deutsche Automobilindustrie bei der Diesel-Debatte im Regen stehen lässt, habe ich schon Bedenken. Diese Debatte muss beendet werden. Immerhin leben wir auch von den vielen Steuern der Autobauer.

FOCUS: Dass sollten Sie auch mal Herrn Habeck sagen.

Zech: Der muss erst mal liefern, in die Verantwortung gehen und nicht nur fordern. Im Augenblick lebt er von seinem Aussehen und von seiner sympathischen Ausstrahlung.

Zech wettet auf BER-Eröffnung im Herbst 2020

FOCUS: Sprechen wir über den BER in Berlin. Sie erhielten 2018 den Zuschlag für den Bau des Terminal 2, das im Herbst 2020 fertig sein soll. Warum tun Sie sich das an?

Zech: Wir haben die Firma übernommen, die das Terminal 2, ein über 100-Millionen-Euro-Projekt, bis dahin gebaut hat. Also waren wir gezwungen. Beim Richtfest im Sommer bot ich jedem Journalisten eine Wette an, dass der Flughafen pünktlich im Oktober 2020 eröffnet wird. Dazu stehe ich nach wie vor.

FOCUS: Hoffentlich war Ihr Wetteinsatz nicht zu hoch. Sie könnten viel Geld verlieren.

Zech: Ich verliere nicht. Manchmal glaube ich allerdings, dass die meisten Leute gar nicht wollen, dass der BER eröffnet wird.

FOCUS: Stimmt. Viele Menschen halten ihn mittlerweile für eine Lachnummer.

Zech: Sind wir doch mal ehrlich: Es gab sehr früh ein Angebot – ich glaube von IVG und Hochtief –, den Flughafen für 1,7 Milliarden Euro zügig zu bauen. Doch Herr Wowereit entschied: Das können wir selbst. Diesen Fehler müssen wir jetzt ausbaden. Hinzu kommt: Es war und ist ein gravierender Fehler, Tegel oder Tempelhof nicht offen zu lassen. Jede Weltstadt hat mehrere Flughäfen.

Der Mietpreisdeckel ist unerhört

FOCUS: Dafür beschloss Berlin jetzt einen Mietpreisdeckel.

Zech: Dass sich Berlin als eines der höchstverschuldeten Bundesländer Deutschlands einen Mietpreisdeckel erlaubt, finde ich unerhört. Durchgehen wird er jedoch nicht. Das Bundesverfassungsgericht wird ihn kippen.

FOCUS: Was, wenn nicht?

Zech: Dann werden nach meinem laienhaften Verständnis die Vonovia, die Deutsche Wohnen und wie sie alle heißen, von der Stadt Schadensersatz fordern. Und da reden wir über viele Millionen Euro. Diese Summe darf der Senat dann auch noch auf seinen Schuldenberg draufpacken.

FOCUS: Können Politiker logisch denken?

Zech: Es soll welche geben, ja.

FOCUS: Bundeswirtschaftsminister Altmaier zum Beispiel?

Zech: Im Grunde genommen macht er einen guten Job. Aber er könnte zum Beispiel beim Thema Automobilindustrie eine bessere Figur machen.

FOCUS: Ihr Unternehmen blickt auf eine über 100 Jahre alte Tradition zurück. Was gehört zu einem guten Unternehmertum?

Zech: Ein gesunder Menschenverstand, Humor, eine gewisse Empathie und Authentizität. Diese Werte habe ich von meinem Großvater und von meinem Vater übernommen.

Arbeiten bis 90 – dann nur noch halbtags

FOCUS: Kein Ehrgeiz?

Zech: Ehrgeizig bin ich nicht, nein. Aber wenn ich ein Ziel vor Augen habe, kann ich mich damit motivieren. Dann will ich das erreichen.

FOCUS: Wie behält man bei über 300 Firmen den Überblick?

Zech: Mit Disziplin, einer guten Verwaltung und engem Austausch mit den verantwortlichen Führungskräften.

FOCUS: Sie sind verheiratet, haben drei Kinder im Alter zwischen 19 und 23 Jahren. Wer wird das Unternehmen eines Tages führen?

Zech: Es hat sich noch keines meiner Kinder gemeldet.

FOCUS: Gibt es einen Plan B, wenn keines will?

Zech: Es gibt eine Stiftung, in der sich das Familienvermögen befindet. Alle drei Kinder haben bereits Anteile am Unternehmen, was aber nicht bedeutet, dass sie je darin arbeiten. Allerdings habe ich das Glück, ein sehr, sehr gutes Management zu haben, das das Unternehmen auch ohne mich in die Zukunft führen kann.

FOCUS: Sie sind 62. Haben Sie den Zeitpunkt Ihres Rückzugs bereits festgelegt?

Zech: Ich arbeite bis 90 voll weiter und danach nur noch halbtags.

Leave a Reply